{"id":63,"date":"2020-04-02T10:24:52","date_gmt":"2020-04-02T08:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/meinungstreff.biebertaler-bilderbogen.de\/?p=63"},"modified":"2021-01-31T13:50:42","modified_gmt":"2021-01-31T12:50:42","slug":"innehalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/treffpunkte.bibibo.info\/?p=63","title":{"rendered":"Innehalten"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/nachrichten.biebertaler-bilderbogen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/image-6.png\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist image-6.png\" width=\"399\" height=\"247\"\/><figcaption>Bild: Lindemann<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gesellschaftliche \u201eshut down\u201c, das \u201eDaheimbleiben\u201c zwingt zum Innehalten \u2013 ob in Quarant\u00e4ne oder wegen einer m\u00f6glichen Infektion (mehr oder weniger) freiwillig, um sich und andere nicht anzustecken bzw. um sich vor Ansteckung mit dem Virus zu sch\u00fctzen.<br><strong>Optimisten <\/strong>neigen dazu, die Situation unterzubewerten, feiern z.B. Corona-Parties, w\u00e4hrend <strong>Pessimisten <\/strong>zur \u00dcberbewertung der Problematik neigen und dramatisieren. <br>In jedem Fall ist jetzt eine ganze Gesellschaft in den gegenteiligen Modus gezwungen, den sie \u00fcblicherweise mit \u201eSchneller, H\u00f6her, Weiter\u201c verfolgt und in dem sie sich allt\u00e4glich, mit allerlei Zeitvertreib und Konsum, vor besinnlichen oder nachdenklichen Momenten sch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziemlich sicher ist schon jetzt: <br>unser Land und die Welt wird nach dieser Krise nicht mehr das gleiche sein.<br>Daher steht zu hoffen, dass durch das Innehalten auch ein&nbsp;<strong>Besinnungsprozess&nbsp;<\/strong>einsetzt und neu dar\u00fcber nachgedacht wird,&nbsp;<strong>was wirklich wesentlich ist f\u00fcr ein gutes Leben<\/strong>&nbsp;\u2013 tragende soziale Kontakte z.B. und anderes, was zu einer gute Grundversorgung geh\u00f6rt: Wasser, Lebensmittel, Energie, medizinische Vorsorge, funktionierende Verkehrswege, eine vielf\u00e4ltige Wirtschaft, Bildung und Kommunikations-m\u00f6glichkeiten, wie auch Natur- und Klimaschutz.<br>Entscheidend daf\u00fcr, wie <strong>wir aus der Krise hervorgehen<\/strong>, ist &#8211; wie immer &#8211; das, was wir daraus machen;<br>ob wir verstehen, dass nur ein Miteinander, ein solidarisches Handeln einen Mehrwert f\u00fcr alle bedeutet, ober ob am Ende doch Egoismus, nationales Denken und R\u00fccksichtslosigkeit vorherrschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>F\u00fcr einige bietet<\/strong> die <strong>Entschleunigung <\/strong>Zeit f\u00fcr kreative Ideen, mehr N\u00e4he zur Familie, aber auch mehr Distanz bzw. virtuelle Kontakte zu anderen Menschen oder ruhiges Arbeiten von zu Hause aus.<br><strong>F\u00fcr andere<\/strong> ist das enge \u201eAufeinanderhocken\u201c \u2013 oft mit Kindern, deren \u00c4ngsten, Hausaufgaben und Bewegungsdrang \u2013 purer Stress, so dass Beziehungen zum Teil in heftige Belastungsproben kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die oft ausgleichend wirkenden \u201e<strong>kleinen Fluchten<\/strong>\u201c fehlen, ebenso wie die Kollegen und Freunde.<br>So ist es oft schwierig in der angespannten Situation gelassen und ausgleichend zu wirken.<br>Denn zu diesem unvertrauten, unvorbereiteten Geworfensein in die Situation kommen die Bedrohung durch einen unsichtbaren Feind, der potentiell lebensbedrohlich ist, ebenso wie \u00c4ngste um geliebte Menschen oder die eigene wirtschaftliche Existenz und die gesellschaftlich-politischen Auswirkungen in der Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die nat\u00fcrliche Reaktionen<\/strong> auf eine derartig be\u00e4ngstigende Situation w\u00e4ren<br><strong>Flucht, Aggression oder Ignorieren \/ Totstellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun aber, in den eigenen vier W\u00e4nden, f\u00e4llt es schwer, vor der eigenen Situation (innen wie au\u00dfen) wegzulaufen. Man steckt sozusagen mit der eigenen Nase mitten darin, muss hinschauen und st\u00f6\u00dft auf das, was da ist \u2013 an Bed\u00fcrfnissen, \u00c4ngsten, Spannungen, Gedanken und Gef\u00fchlen in mir und in dir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche k\u00f6nnen das anerkennen und finden <strong>im Gespr\u00e4ch <\/strong>einen Weg; andere nicht. <br>Kommunikationsformen spielen da wie die Inhalte eine gro\u00dfe Rolle. Insbesondere ist es wichtig, einen haltenden Rahmen zu organisieren, von sich zu sprechen und erst einmal Wohlwollen zu unterstellen.<br>In jedem Fall hat jedes Verhalten Auswirkungen und fordert meist auch Konsequenzen. <br>Schlie\u00dflich kann man sich nicht nicht entscheiden! Auch etwas nicht zu tun oder zu sagen, ist eine Entscheidung, ebenso wie der Entschluss, etwas anzugehen oder auszusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All die illusion\u00e4ren <strong>Vorstellungen <\/strong>davon, wie das eigene Leben, die eigene Familie oder die Kinder so sein sollten, brechen in diesem konzentrierten Miteinander auf. <br>Die wirksamen unterschiedlichen eigenen, Wirklichkeiten prallen aufeinander. <br>Wo man sonst, oft in beruflichen Zusammenh\u00e4ngen, vor der Wahrnehmung gesch\u00fctzt war, ist man jetzt zuhause, wenn die Konflikte aufbrechen.<br>W\u00e4hrend im Au\u00dfen Distanz gefordert ist, werden in den Wohnungen allerlei Spannungen sichtbar \u2013 nicht nur weil man jetzt selbst <strong>\u00c4ngst <\/strong>um die eigene Gesundheit oder die von lieben Mitmenschen hat, sondern auch weil man sauer ist, \u00fcber die Situation, in der man sich machtlos und angegriffen f\u00fchlt. <strong>Aggression <\/strong>kommt aber auch auf, da der eigene aufgestaute Frust und die in den Geweben aufgestaute Spannung sich immer schlechter verdr\u00e4ngen oder durch Bewegung vertagen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht ohne Grund steigen nach Weihnachten die Scheidungsraten.<br>Auch in dieser Zeit hocken pl\u00f6tzlich Familienmitglieder den ganzen Tag zusammen; da zudem noch mit hohen Anspr\u00fcchen an ein sch\u00f6nes Familien-Miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch heutzutage sto\u00dfen die Anspr\u00fcche und <strong>Erwartungshaltungen <\/strong>an sich, wie auch die an die anderen, an die Kapazit\u00e4tsgrenzen der Einzelnen. Schnell reagiert man gereizt und unbesonnen. Im Notfallmodus kann man eben nicht mehr klar denken, da gelten nur noch die Regeln der \u00dcberlebenssicherung. <br>Die \u201eSto\u00dfd\u00e4mpfer der Gelassenheit\u201c sind immer h\u00e4ufiger \u00fcberfordert. Mehr und mehr werden die Beteiligten daheim in den Dynamiken der Stre\u00dfspiralen gefangen \u2013 entweder in Richtung aggressiver oder resignativer Eskalation. <br>Hier ein Beispiel, wie sich Aktion und Reaktion verst\u00e4rken:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"616\" height=\"291\" src=\"https:\/\/treffpunkte.bibibo.info\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-65\" srcset=\"https:\/\/treffpunkte.bibibo.info\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/image-1.png 616w, https:\/\/treffpunkte.bibibo.info\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/image-1-300x142.png 300w\" sizes=\"(max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><figcaption>kommunikativer Teufelskreis nach Schulz von Thun<br>Bild: Systemische Praxis: Therapeutisches Chaos, Strunk und Schiepek, Hogrefe Verlag,  <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Beispiel beschreibt beispielhaft Partnerkonflikte oder Konflikte mit Kindern, die sich nat\u00fcrlich in beliebig vielen Variationen denken lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erlauben Sie sich daher, die schwierigen <strong>Umst\u00e4nde <\/strong>mit zu denken.<br>Dies ist aktuell f\u00fcr alle \u2013 auch und insbesondere die Kinder \u2013 eine belastende Situation.<br>Hier gilt es, die <strong>Toleranzschwellen <\/strong>(&#8222;Sto\u00dfd\u00e4mpfer&#8220;) noch einmal bewusst hoch zu setzten, obwohl einem nach dem Gegenteil zumute ist.<br><strong>Von Seiten der Erwachsenen braucht es jetzt<\/strong> \u2013 auch dem eigenen inneren Kind gegen\u00fcber \u2013 klare, konsequente Regeln, damit in dieser verunsichernden Situation eine Orientierung und verl\u00e4ssliche Routinen da sind. Denn das aktive Gestalten der eigenen Situation f\u00fchlt sich zumindest besser an, als sich hilflos und ausgeliefert zu f\u00fchlen \u2013 insbesondere gegen\u00fcber einem Feind, den man nicht einmal sehen kann. Das ist schwer zu ertragen!<br><strong>Wecken Sie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese schwierige Lebenssituation. Sie wird vor\u00fcbergehen!<\/strong><br>Alles Porzellan, das Sie jetzt in ihren Beziehungen zertr\u00fcmmern, bleibt kaputt. <br>Also behalten Sie \u201edie Tassen im Schrank\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meditieren oder beten Sie, sorgen Sie f\u00fcr stille Zeit am Tag, in der Sie sich entspannen, besinnen und sammeln k\u00f6nnen, in der jeder einmal f\u00fcr sich sein kann oder auch gemeinsam besinnliches tun.<br>Wir nannten das fr\u00fcher &#8222;<strong>D\u00e4mmerst\u00fcndchen<\/strong>&#8222;. Oft hat die Oma dann eine Kerze angez\u00fcndet und uns Kindern eine Geschichte vorgelesen &#8211; oder wir haben uns erz\u00e4hlt, was am Tag sch\u00f6n war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Machen Sie sich auch bewusst<\/strong>, dass Sie \u00e4hnliche Ohnmachtsgef\u00fchle kennen, wie jeder von uns \u2013 aus seiner allerj\u00fcngsten Kindheit, die schon l\u00e4ngst nicht mehr bewusst ist. \u201eKindliche Amnesie\u201c nennt das der Fachmann. Aber gerade weil wir es nicht wissen, sind diese fr\u00fchen Eindr\u00fccke, die die Struktur unserer Nervenverbindungen mitgestaltet haben, immer noch wirksam.<br>Wie damals, sp\u00fcren wir intuitiv, dass wir die Welt nicht beherrschen, dass wir uns die Natur nicht untertan gemacht haben, dass wir noch immer ausgeliefert sind, dass wir verletzlich und sterblich sind und noch nicht genug Demut erlangt haben, so dass wir am liebsten selbst Gott (oder war es doch Pippi Langstrumpf?) spielen w\u00fcrden, der die Dinge so macht, wie es ihm \/ uns Gef\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wird etwas als Neu erlebt<\/strong>, l\u00f6st das einerseits Interesse, Freude und Neugier aus, andererseits l\u00f6sen unbekannte und bedrohlich erlebte Situationen ein hohes Ma\u00df an Aufmerksamkeit, Aktivierung, Bereitstellung von Kraft und Vorsicht aus. <br>Wie schon gesagt, auch aktuell sind Flucht \u2013 Vermeidung, Angriff oder Totstellen die Angebote, die unsere ererbte Natur als Notfallreaktionspalette da ausschlie\u00dflich parat h\u00e4lt.<br>All das macht jedoch gegen\u00fcber einem unsichtbaren Feind keinen Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da muss jeder darauf achten, dass nicht <strong>Ersatz <\/strong>geschaffen wird und anderes attackiert wird oder andere irreale (= ohne Verstand bzw. besser vom Reptiliengehirn gesteuerte) Handlungen Erleichterung schaffen sollen. <br>Doch all diese Reaktionen sehen wir im Verhalten der Menschen w\u00e4hrend der aktuellen Krise:<br>Angst bis Panik (mit irrationalen Hamsterk\u00e4ufen und Desinfektionsmittelklau&nbsp;<em>(als Selbstf\u00fcrsorge zu verstehen, wie auch als asoziales Verhalten)&nbsp;<\/em>oder Fatalismus&nbsp;<em>(z.B. \u201eDen Krieg haben wir auch \u00fcberlebt.\u201c),&nbsp;<\/em>als aggressive Triebdruchbr\u00fcche&nbsp;<em>(in \u201eCorona-Parties\u201c oder Schl\u00e4gereien im Supermarkt oder als h\u00e4usliche Gewalt)&nbsp;<\/em>und Rationalisierungen&nbsp;<em>(\u201eCorona bedroht ja die Alten. Die gehen einem sowieso auf die Nerven, die braucht doch so wie so niemand mehr!\u201c)&nbsp;<\/em>oder nicht wahr haben wollen und so tun, als ob nichts w\u00e4re<em>&nbsp;(\u201eIch lasse mir meinen Spa\u00df doch nicht verderben!\u201c)<\/em>. Selbst der Toilettenpapierkaufrausch ist symbolisch als Zeichen der Sauberkeit und als irrationaler Bew\u00e4ltigungsversuch gegen verunsichernde Gef\u00fchlen zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in der Fl\u00fcchtlingskrise 2015 (auch eine neue Situation, die mit fremdem, schlecht einsch\u00e4tzbarem konfrontiere) \u00fcberwog, wie jetzt, <strong>bei einigen<\/strong> die <strong>Hilfsbereitschaft<\/strong>, <strong>bei anderen<\/strong> <strong>Angst<\/strong>. <br>Beide Reaktionen d\u00fcrften aus der gleichen Motivation hervorgehen: der Helfer kann aktiv sein, kann sich als der Gro\u00dfz\u00fcgige und damit auch \u00dcberlegene \u2013 eben nicht ausgeliefert \u2013 f\u00fchlen, w\u00e4hrend der \u00c4ngstliche (bewusst oder unbewusst) das Bedrohliche in den Vordergrund seiner Aufmerksamkeit stellt und sich hilflos f\u00fchlt, wie ein Kind, das selbst Trost und Schutz bracht; das sich bedroht f\u00fchlt, weil \u201edie Fl\u00fcchtlinge, die Anderen, irgendjemand\u201c ihm da etwas von dem wegnehmen k\u00f6nnten, was man in Wirklichkeit gar nicht hat oder hatte oder was aktuell da w\u00e4re.<br>Es wird nicht realisiert, dass dieses Gef\u00fchl eine Erinnerung ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die eigene (in Wirklichkeit nicht so sch\u00f6ne) Kindheit (h\u00e4ufig) glorifiziert wird \u2013 \u00e4hnlich wie es manche mit dem \u201eVaterland\u201c oder einer angeblichen \u201eRasse\u201c machen -, muss das eigene Drama nicht wahrgenommen werden. Stattdessen wird es (wie im Kino auf eine Leinwand) projektiv dem anderen zugeschoben und da (auf der Leinwand) bek\u00e4mpft, statt an der Stelle des Projektors, wo der Film in Wirklichkeit l\u00e4uft.<br>Durch diese Verlagerung des Problems, die anderen einen \u00e4hnlichen Schmerz zuf\u00fcgt, wie man ihn selbst erlitten (und verdr\u00e4ngt) hat, macht die Sache f\u00fcr einen selbst nicht wirklich besser, sondern schlimmer: man bleibt in der Illusion stecken und! man gibt die Macht \u00fcber das eigene Befinden und die Ver\u00e4nderungsressourcen aus der Hand.<br>Da muss man schon so \u201ebl\u00f6d\u201c sein, wie ein kleines Kind, das noch wenig von der Welt kennt, oder voller Liebe, wie ein Kind, das seine Eltern liebt und ihnen gibt, auch wenn die noch so schrecklich sind.<br>Nur, an der falschen Stellen l\u00e4sst sich da nichts \u201eHeil\u201c machen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es steht zu hoffen, dass die Situation nicht kippt, so wie es in dem Roman &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blackout_%E2%80%93_Morgen_ist_es_zu_sp%C3%A4t\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Black out<\/strong><\/a>&#8220; beschrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst wenn man <strong>anerkennen <\/strong>kann, was ist, hat man Boden unter den F\u00fc\u00dfen und kann sich bewegen. Denn alles was da sein darf, kann auch gesehen werden \u2013 und das Loch \/ die Falle in das man fallen k\u00f6nnte, kann leichter umgangen werden, wenn man es sieht \u2013 nicht wenn man ein Hinschauen vermeidet.<br>Au\u00dferdem schafft eine kooperative Haltung mit allen seinen Aspekten und Ich-Anteilen deutlich mehr innere Sicherheit (meist auch \u00e4u\u00dfere Anerkennung) und Klarheit f\u00fcr Entscheidungen mit gew\u00fcnschten Auswirkungen.<br>Alle Versuche, sich aus einer phantastischen, aber phantasierten Welt fortzubewegen, werden nicht tragen; aber die Wut dar\u00fcber wird zerst\u00f6rerische Formen zeigen.<br>Nehmen wir uns also Zeit zum Innehalten, zum Sp\u00fcren und orientieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn wir etwas nachjagen<\/strong>, dann sollte es realistisch, erreichbar, konkret und machbar formuliert sein. Ein \u201eSollte, K\u00f6nnte, M\u00fcsste\u201c beschreibt ja immer nur eine M\u00f6glichkeit, keine Realit\u00e4t.<br>Ziele geben Orientierung, um einen Weg zu beschreiben, der gegangen werden kann. Andernfalls beschreibt die Distanz zwischen Soll und Ist nur das Ma\u00df an Leid, das wir erfahren, wenn wir uns nicht bewegen. Sie zielf\u00fchrend ausrichten bedeutet im gesellschaftlichen Diskurs: miteinander reden, miteinander planen und miteinander Handeln.<br>Dies gilt in besonderem Ma\u00dfe auch f\u00fcr unser <strong>d\u00f6rfliches Zusammenleben<\/strong>.<br>Gegeneinander bedeutet Stillstand, kooperatives Miteinander kann Gro\u00dfes schaffen.<br>Dabei sollte man niemals das Ziel mit dem verwechseln, war hier und jetzt ist und wirkt: SOLL ist ungleich IST.<br>Ein Ziel gibt lediglich eine Richtungsorientierung. Aufgrund von neuen Erfahrungswerten auf den Weg dorthin kann sich das Ziel \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alles, was ist, ist wie es ist<\/strong> \u2013 weder gut noch schlecht (denn diese Bewertungen f\u00fcgen immer erst wir, je nach Bed\u00fcrfnislage, hinzu.<br>Zudem teilt derartige Bewertung die Realit\u00e4t. Allein &#8222;gut oder schlecht&#8220; ergibt ein &#8222;geteilt durch 2&#8220;, so dass man am Ende Gefahr l\u00e4uft, einen Teil f\u00fcr das Ganze zu halten.<br>Das aber ist ein Vorurteil und keine tragf\u00e4hige Beschreibung von dem, was ist.<br>Durch die <strong>Bewertung <\/strong>schaffen wir uns sozusagen eine Art von Behinderung, die wir uns selbst antun!<br>Damit das niemand bemerkt (vor allem wir selbst nicht), wird dieser Unsinn meist mit Vehemenz und aggressiv verteidigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende muss vielleicht so mancher erkennen, dass das Corona-Virus nicht seine gr\u00f6\u00dfte Bedrohung war. <br>Daher <strong>reden Sie miteinander, mit Ihren Kindern, seinen Sie pers\u00f6nlich<\/strong>, sprechen Sie von sich, nicht in \u201eDu-S\u00e4tzen\u201c, suchen Sie Kompromisse, kl\u00e4ren Sie Missverst\u00e4ndnisse auf, indem Sie ihre inneren und auch \u00e4u\u00dfere Randbedingungen kommunizieren, erlauben Sie sich nach \u00e4hnlichen Eindr\u00fccken, Gef\u00fchlen, Gedanken und Handlungsmustern in vergangenen, anderen Beziehungen zu suchen, um besser zu verstehen, nach welchen automatisierten Reaktionsmustern (aus diesen fr\u00fcheren Erfahrungen) sie heute Erwartungen an Mitmenschen herantragen, indem sie \u2013 aus diesem Vorurteil \u2013 ein gleiches Motiv oder Verhalten unterstellen. Das aufzukl\u00e4ren und mitzuteilen, miteinander zu teilen, hilft tats\u00e4chlich, besser miteinander umzugehen. Aber das braucht eben Zeit; Zeit, die wir uns sonst oft nicht nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wie&nbsp;<em>Michael Ende<\/em>&nbsp;in seinem Buch \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Momo_(Roman)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Momo<\/strong><\/a>\u201c schon sagt: Willst Du schell irgendwo hin, dann geh langsam. Dann alles, was im Vorfeld gekl\u00e4rt werden kann, wird einem im Nachhinein keine Kn\u00fcppel zwischen die Beine werfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gesellschaftliche \u201eshut down\u201c, das \u201eDaheimbleiben\u201c zwingt zum Innehalten \u2013 ob in Quarant\u00e4ne oder wegen einer m\u00f6glichen Infektion (mehr oder weniger) freiwillig, um sich und andere nicht anzustecken bzw. um sich vor Ansteckung mit dem Virus zu sch\u00fctzen.Optimisten neigen dazu, die Situation unterzubewerten, feiern z.B. 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